Korallen im Urwald- Faszination Stachelbärte

In Deutschland kann der Natur- und Fotointeressierte vier Arten der Stachelbartpilze finden. Den Dornigen Stachelbart, den Ästigen Stachelbart, den Tannenstachelbart und den seltenen Igelstachelbart. Wenn man sie finden möchte gehört zum einen eine gute Portion Glück dazu, zum anderen benötigt man alte Wälder mit viel Totholz. Das macht es in den meisten forstlich genutzten Wäldern, auf denen die Waldböden wie aufgeräumt wirken, fast unmöglich, diese faszinierenden Pilze zu finden. Sie fallen oft schon von Weitem auf und aus der Nähe betrachtet wirken sie fast wie Korallen. Mit der Familie der Korallenpilze haben sie aber nichts zu tun. 

Um sie zu finden, sollte man nach alten Urwaldstandorten Ausschau halten, in denen Buchen und Eichen mit einem Alter von mindestens 350 Jahren zu finden sind. Wichtig ist, dass alte Totholzstämme vorhanden sind. Um sie zu finden, bin ich schon kreuz und quer durch Deutschland gefahren. Der Vorteil ist, dass man  neben den Pilzen auch die alten Baumriesen sehr gut fotografieren kann. Da die Stachelbärte im Herbst zu finden sind, befinden sich dann auch die Baumriesen, sofern sie noch Blätter tragen, im bunten Herbstkleid.

Ein Beispiel hierfür ist der Urwald Sababurg:

Nun kommen nachfolgend die vier Stachelbartarten, beginnen mit dem wohl schönsten, den Ästigen Stachelbart:

Genauso schön und noch etwas seltener ist der Tannenstachelbart, der auf alten Weißtannen zu finden ist, beispielsweise im Nationalpark Bayrischer Wald:

Zuletzt kommen noch der Dornige Stachelbart und der seltene Igelstachelbart. Diese konnte ich sogar im Kreis Düren entdecken:


Orchideenjahr 2020- Weniger ist manchmal mehr !?

Nachdem der letzte Herbst und Winter mit relativ guten Niederschlägen daherkam und auch das Frühjahr keinen sehr späten und starken Frost mitbrachte, waren eigentlich die Bedingungen für eine reiche Orchideenblüte nicht schlecht gewesen. Doch dann kam eine sehr lange Trockenperiode im Frühjahr, sodass viele Orchideen verkümmerten oder keine richtige Entwicklung nehmen konnten. Damit unsere Wildorchideen eine gute Entwicklung nehmen können, sind viele Faktoren notwendig. Die meisten Arten treiben schon vor dem Winter oder kurz danach die Blattrosetten aus dem Boden und benötigen dann die passenden Bedingungen, um sich gut zu entwickeln. Neben den notwendigen symbiotischen Wurzelpilzen muss dann auch die richtige Feuchtigkeit und Temperatur dazukommen. All diese Bedingungen waren 2020 leider nicht vorhanden, sodass es ein durchwachsenes Orchideenjahr geworden ist. Die erste Blühphase war noch vielversprechend, die zweite ab Mitte/Ende Mai dann eher schlecht und die späten Arten konnten sich wegen des eher durchschnittlichen Temperatursommers wieder recht gut entwickeln. Vielerorts waren es aber nur sehr wenige Pflanzen, die zur Blüte kamen oder sie fielen dieses Jahr vollends aus. Trotzdem konnte ich wieder einige schöne Pflanzen entdecken und habe nachfolgend ein paar schöne Exemplare herausgesucht. Nun viel Spaß beim Betrachten:


Der Frühling 2020 kommt mit großen Schritten

Nach einem schier endlosen Sturmmarathon im Winter 2020 nutze ich die ersten Märztage, um zu sehen, ob schon die ersten Frühblüher zu sehen waren. Ein Bekannter nahm mich mit in ein mir bis dato unbekanntes Biotop bei Bonn, da dort schon eine Vielzahl an Frühblühern in Blüte stehen sollten. Neben Immergrün, Huflattich, Lerchensporn und Waldschlüsselblume blühten auch schon die Blausterne. Auch im Ahrtal sind schon die ersten Märzenbecher in Blüte, sodass man hier schon zu den ersten Frühlingsfotos des Jahres kommen konnte. Auch den ein oder anderen Tag- und Nachtfalter konnte man schon finden.


Bei Kranichen und alten Eichen

Pünktlich zu den Herbstferien ging die Reise wieder einmal zu einem meiner beliebtesten Naturfotoziele in Deutschland. Mein Ziel führte mich nunmehr zum fünften Mal in die Boddenregion im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft rund um Zingst. Doch nicht nur die Kraniche waren diesmal Ziel der fotografischen Vorhaben, sondern auch eine mehrtägige Tour zu den Ivenacker Eichen, um die teilweise 1000jährigen Eichen sowie die besonderen Pilzvorkommen fotografisch festzuhalten. Die ersten sechs Tage standen aber ganz im Zeichen der Kraniche.

Im Vorfeld hatte ich schon für zwei Tage eine sogenannte Fotohütte über das Kranich-Info-Zentrum in Groß Mohrdorf gebucht. Gegen eine Spende von 75 €, die voll und ganz in den Kranichschutz fließt, kann man für einen Tag eine der vier Fotohütten beziehen (Größe 140x200x140cm). Der Vorteil liegt darin, dass man den Kranichen an der Ablenkfütterung bei Günz  sehr nahe kommen kann und sogar Kopfportraits gelingen. Es ist einfach ein unbeschreibliches Erlebnis, mit diesen majestätischen, aber sehr scheuen Vögeln in so engen Kontakt zu kommen. Dies ist in Deutschland in dieser Form wohl einmalig. Der Nachteil der Fotohütten liegt in der Aufenthaltsdauer. Die Hütte muss morgens vor Sonnenaufgang, also vor 6 Uhr bezogen werden und darf erst wieder zum Abend (in diesem Fall gegen 20 Uhr) verlassen werden. Eine Sitzgelegenheit muss man selber mitbringen und für die menschlichen Bedürfnisse gibt es einen Eimer, den ich bisher zum Glück nie benötigte. Hier nun einige Beispielfotos, die in den Hütten entstanden sind:

Neben dem Besuch der Fotohütten gelingen auch gute Fotos aus dem Kranorama, der Aussichtsstation des Kranich-Info-Zentrums bei Günz. Im Vorfeld der Einrichtung wird ab September eine Ablenkfütterung eingerichtet, damit die Kraniche von den umliegenden Feldern ferngehalten werden, um keinen Schaden bei den Feldfrüchten anzurichten. Die Kraniche nehmen diese Möglichkeit sehr gut an und so standen während meines Aufenthalts immer mehrere Hundert bis wenige Tausend Kraniche auf den Flächen. Aus den Aussichtsluken sowie im Umfeld des Kranoramas gelingen auch gute Fotos und dieses Mal legte ich großen Wert auf Fotos von Kranichen im Flug. Aber auch hier gilt wieder, Brennweite ist durch nichts zu ersetzen. Meist wurde mit dem 600er Objektiv, abwechselnd an der Crop- und Vollformatkamera fotografiert. Da auch das Wetter alle Facetten bereit hielt, gab es vielfältige Möglichkeiten...

Die letzten drei Tage der Reise standen dann im Zeichen der Landschafts- und Makrofotografie. Ziel waren die Ivenacker Eichen bei Ivenack. Die Ferienwohnung in Pribbenow bezogen, ging es sofort raus ins Gebiet. Für mich waren die alten Baumriesen nur Zusatz, denn eigentlich waren die verschiedenen Pilzarten in dem Gebiet mein Hauptziel. Besonders eine Pilzart, der Ästige Stachelbart, der auf verrottende Altbaumstämme spezialisiert ist, findet hier noch ideale Wachstumsbedingungen. Vor den Pilzen möchte ich aber erst einmal die beeindruckenden, Jahrhunderte alten Baumriesen zeigen:

Zum Abschluss dieses Blog-Eintrags möchte ich nun die Pilze zeigen, die ich im Gebiet der Ivenacker Eichen fotografieren konnte. In den letzten Jahren nimmt die Pilzfotografie einen immer größer werdenden Teil meine naturfotografischen Tätigkeiten ein. Es ist einfach kaum beschreiblich, wie formenreich, farbenreich und abwechslungsreich die Pilze sein können. Inzwischen fahre ich dafür sogar 700 Kilometer durch das Land, um bestimmte Arten zu sehen. Ein besonders Highlight ist der Ästige Stachelbart, der an alten, sich schon fast zersetzenden Laubholzstämmen zu finden ist, vornehmlich bei Buchenstämmen. Ich konnte zu meinem großen Glück mehrere Fruchtkörper in verschiedenen Stadien und Größen finden. Ich hoffe, dass die Fotos ein wenig Gefallen finden. Mich lassen die Pilze nicht mehr los...


Zur Stippvisite bei den Gämsen in den Vogesen

Alle Jahre wieder könnte man sagen steht ein Besuch bei den Gämsen in den Vogesen an. Es ist immer wieder erstaunlich, wie nah man den Gämsen auf dem Hohneck begegnen kann. Leider ist diese Stelle schon lange kein Geheimtipp mehr und so kommt es, dass man nie alleine in diesem Gebiet ist. Beim letzten Besuch fiel dies schon negativ auf und auch dieses Mal wird mir dies wieder deutlich. Besonders "Fotografen", die sich mit ihrer Kompaktkamera oder noch schlimmer mit ihrem Handy den Tieren immer mehr nähern müssen, bis sie fast davor stehen, stören nicht nur mich, sondern auch die Tiere. Besonders die Unwissenheit führt dann meist zu einer ängstlichen Reaktion der Gämsen. Dies wird besonders deutlich, wenn ihnen der Fluchtweg abgeschnitten wird, wodurch sie panisch reagieren und schnellstens die Flucht ergreifen. Da wird einem wieder klar, wie die Naturfotografie doch den Tieren schaden kann, wenn man sich nicht mit dem Verhalten und Lebensbedingungen von Tieren auseinandersetzt.  Auch ein Workshop schaffte es zunehmend, die Gämsen nachhaltig zu stören. Immer wieder liefen sie die Tiere an, um noch näher zu kommen. Manchmal sogar aus mehreren Richtungen, wodurch die Gämsen wieder die Flucht ergriffen. Dabei wäre es gar nicht nötig, da sich die Gämsen schnell an einen gewöhnen, wenn man ruhig stehen bleibt. Bei mir war es manchmal sogar so, dass ich weiter weggehen musste, weil sich die Gämsen so stark näherten und ich sie zu groß auf das Foto bekam.

Doch nun zu den Fotos. Es gelangen wieder einige schöne Fotos und Eindrücke von den Tieren. Besonders faszinierend war es immer dann, wenn man sich unmittelbar um sie befand und sie sich nicht stören ließen und einfach gefressen haben. Viele Muttertiere führten nun die Kitze und einige einjährige Tiere machten Schaukämpfe.

Wenn man am Hohneck Gämsen fotografieren will, muss man immer früh aufstehen. Man hat nur morgens und abends gute Chancen, die Gämsen bei gutem Licht vernünftig zu fotografieren. Dies lässt sich damit erklären, dass sie dann aus den Tälern wieder aufsteigen und die frischen Grünpflanzen und Gräser auf den oberen Plateaus fressen. Während des Tages ruhen sie auf Felsvorsprüngen und auf den Wiesen in den Tälern und Hängen. In dieser Zeit käuen sie wieder und verdauen. In diesem Fall war es so, dass man morgens von 6 bis 8 Uhr fotografieren konnte und abends von 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr, bis es die Lichtbedingungen nicht mehr erlaubten.


Mit den herbstfarben in den Bayrischen Wald

Im Oktober stand eine 8-tägige Fotoreise in den Bayrischen Wald auf dem Plan. Ziel waren hauptsächlich das Tierfreigelände in Neuschönau, die Steinklamm in Spiegelau sowie die Urwälder am Zwieseler Waldhaus. Obwohl mich der heiße Sommer mit der bis in den Herbst andauernde Dürre befürchten ließ, dass es gar keine Herbstfarben geben wird, sah es vor Ort sehr gut aus. Die Laubwälder strahlten in leuchtenden Herbstfarben. Somit stieg die Hoffnung auf gute Fotos. Wir wurden auch nicht enttäuscht.  Auch das Wetter war unglaublich gut und konstant für die gesamte Woche.

Der Hauptaspekt der Reise lag auch zeitlich auf dem Tierfreigelände im Nationalpark bei Neuschönau. In deutschlandweit einmaligen und naturnahen Gehegen kann man aus naturfotografischer Sicht naturnahe Fotos der im Bayrischen Wald vorkommenden Tiere (einige Arten heute leider nicht mehr, aber vielleicht bald wieder) machen. Besonders der Luchs, der Braunbär und der Wolf sollten einen Schwerpunkt bilden. Das Wolfsrudel im Wolfsgehege bot jedoch kaum fotografische Highlights. Ich konnte nur vier Tiere zählen, die sich nur kurz bei der Fütterung blicken ließen. Daher verbrachten wir dann viel Zeit beim Braunbärgehege und noch mehr Zeit beim Luchs. Bisher wollten mir bei meinen bisherigen 5 Besuchen nie zufreidenstellende Fotos vom Luchs gelingen. Das sollte sich bei diesem Besuch zum Glück ändern. Drei Luchse zeigten sich regelmäßig auf den verschiedenen Sitzwarten, die jeweils aus den drei Beobachtungskanzeln eingesehen werden können. Die Luchse zeigten sich aber nicht die ganze Zeit, sondern immer nur für wenige Minuten. Das bedeutete dann aber auch, dass man den ganzen Tag am Luchsgehege verbracht hat (insgesamt waren es drei Tage). Weitere schöne Begegnungen gab es beim Uhu, beim Rauhfußkauz, bei der Waldohreule und beim Wespenbussard. Ein paar Highlights folgen nun hier, die anderen Fotos sind in den Artengalerien:

Zwei Tage standen im Zeichen der Pilze in den Urwaldbereichen des Nationalparks beim kleinen Ort Zwieseler Waldhaus. Aufgrund der fehlenden Feuchtigkeit waren es deutlich weniger Pilze als vor zwei Jahren, aber trotzdem waren einige Highlights dabei. Besonders spannend war der Tannenstachelbart, der Bergporling sowie der Zarte Stachelrindenpilz.

Zuletzt stand dann beim ersten bedeckten Tag am Ende der Reise ein Besuch der Steinklamm in Spiegelau an. Diese bietet gerade für Langzeitbelichtungen von Bachläufen gute Bedingungen und mit dem fallenden Herbstlaub waren gute Landschaftsfotos möglich. Es ist nur immer sehr glatt und man muss bei jedem Schritt unglaublich aufpassen, nicht mit der gesamten Fotoausrüstung im Bach zu liegen.


Auf nach Kreta- der Orchideen wegen...

 

Ende März/Anfang April 2018 stand für mich der erste Urlaub in Griechenland an. Es ging für 14 Tage nach Kreta, um die südeuropäische Orchideenflora sowie die übrige Natur der größten griechischen Insel zu erkunden und fotografisch festzuhalten. Von einem befreundeten Fotografen bekam ich sehr hilfreiche Tipps, an welchen Stellen ich suchen musste. Dies war auch unumgänglich, da die West-Ost-Erstreckung der Insel mit gut 250 Kilometern zu groß wäre, um auf eigene Faust Kreta und die vorkommenden Orchideen zu erkunden.

 

Kreta eignet sich hervorragend für den "Anfänger" südeuropäischer Orchideensucher. Mit über 45 vorkommenden Arten bietet die Insel vielfältige Möglichkeiten. Ob nun mehr oder weniger Arten dort vorkommen, darüber kann man ausgiebig diskutieren. Da die Orchideen botanisch betrachtet zu einer sehr jungen Pflanzengruppe gehören, ist ihre Artausprägung noch sehr variabel und nicht durchgehend konstant. Durch geographische Formabweichungen sowie Hybridisierungen untereinander ist es oftmals schwer, einzelne Pflanzen einer Art zuzuschreiben. Dazu kommt noch ein Wahn vieler Orchideenfreunde, die unbedingt neue Arten finden wollen und somit schnell eine neue Klassifizierung ausrufen. Sicher muss man dieses nicht mitmachen, doch macht es die Bestimmung im Feld oftmals schwierig, da die Fachliteratur sehr unterschiedlich ausfallen kann.

 

Zunächst möchte ich ein paar landschaftliche Eindrücke von Kreta zeigen. Neben den Küstenregionen beeindrucken besonders die Gebirgsformationen von Kreta. Durch die besondere tektonische Lage von Kreta haben sich durch Erdbewegungen hohe Gebirgszüge ausgeprägt und auch für meine Touren hat sich das Ida-Gebirge im Bereich zwischen Spili und Gerakari als besonders lohnenwert bewiesen. Die Ferienwohnung befand sich in Plakias, einem kleinen Küstenort im Südwesten der Insel.

 

In der mit niedrigen und dornigen Sträuchern bewachsenen Phrygana wachsen besonders viele Orchideenarten. Die doch sehr spitzen Dornen und Stacheln erschweren das Fotografieren jedoch oftmals und so wird das allabendliche Splitterentfernen zum festen Ritual vor dem Bilderbetrachten.

 

Einfacher ist die Orchideenfotografie in den grasigen Bereichen in den Olivenhainen. Hier lassen sich eine Fülle an Orchideenarten entdecken. Die Olivenhaine prägen das typische Bild vieler Landschaften auf Kreta. Neue Untersuchungen sehen den Ursprung der Olive sogar auf Kreta. In den intensiv bewirtschafteten Hainen findet man jedoch deutlich weniger Orchideenarten als in den aufgegebenen Olivenhainen.

 

 

Der letzte spannende Biotoptyp ist der lockere Eichenwald, den man an wenigen Stellen auf Kreta noch finden kann.

 

Neben den Orchideen gibt es auf Kreta auch eine fülle interessanter und faszinierender Blütenpflanzen. Besonders hervorzuheben sind die Tulpen- und Irisarten, aber auch einige besondere Tierarten waren zu fotografieren.

Abschließen möchte ich noch mit einigen Eindrücken aus Kreta, die auch nach dem Besuch auf der Insel noch im Kopf geblieben sind. Es ist wirklich eine Reise wert und für den Naturfreund bieten sich nachhaltige Eindrücke.


Auf der Suche nach dem weißen Bussard

Auf der Suche nach dem Besonderen ist man als Naturfotograf immer. Bei den folgenden Objekt der Begierde, nämlich dem weißen Bussard, erinnert man sich literarisch gesehen an Herman Melvilles Roman Moby Dick. Zwar führen mich keine Rachegedanken wie Kapitän Ahab auf die Suche nach dem weißen Bussard, sondern die Faszination für dieses sehr seltene Naturphänomen. Seit meiner Kindheit üben weiße bzw. helle Bussarde eine besondere Faszination auf mich aus. Das ging schon immer auf Urlaubsreisen los, als ich als Kind die Bussarde aus dem Autofenster beobachtete und zählte. Ein heller Bussard war immer ein besonderes Highlight.

Seit einigen Jahren hörte ich immer wieder von einem schneeweißen Bussard im östlichen Kreis Düren. Es gab wiederholt Meldungen in ornithologischen Meldeportalen oder in Fotoportalen, die von einen besonderen Bussard berichteten. Dabei sind helle Bussarde mit hohem Weißanteil nichts wirklich Besonderes, da gerade der Mäusebussard in vielen Färbungsvarianten bei uns vorkommt. Dabei sind es nicht immer nur die nordischen Wintergäste, die sich durch eine besonders helle Färbung auszeichnen.

Auch in diesem Jahr bekam ich von einer befreundeten Ornithologin den Tipp, wo sich der weiße Bussard aufhalten könnte. Mit Fotobekannten begaben wir uns auf die Suche, fanden ihn zunächst aber nicht. Dann sollten wir doch noch fündig werden, aber der Bussard war so scheu, dass an eine gute Fotodistanz nicht zu denken war. Vor zwei Wochen bekam ich von einem Fotofreund dann den entscheidenden Tipp, dass der Bussard auf einer Brachefläche nach Mäusen jagen würde. Das Wichtige daran war, dass er sich nicht an dem Fotografen im Auto störte. Am gleichen Tag ging es noch zur Fläche und zu meiner Überraschung kam ich tatsächlich auf knapp 10 Meter an den weißen Bussard heran. Die erste Begegnung war schon etwas Besonderes.

Das i-Tüpfelchen sollte sich aber erst bei genauer Betrachtung herausstellen. Es handelt sich bei dem Mäusebussard nämlich nicht um ein einfach weiß gefärbtes Tier, sondern es ist ein leuzistischer Mäusebussard. Bei leuzistischen Tieren führt ein Gendefekt dazu, dass die Haut und die Federn keine farbstoffbildende Zellen haben und die Tiere somit weiß erscheinen. Der Grad an Leuzismus kann jedoch variieren. So auch bei diesem Bussard. Er hat in manchen Federn noch eine leichte Zeichnung vorhanden, doch ist der Schnabel nicht schwarz und die Krallen durchsichtig. Das Auge ist leicht hellblau gefärbt. Sicherlich gehört dieser Mäusebussard zu meinem ersten großen Highlight für das Jahr 2018. Einen Fund, den man so schnell nicht mehr machen wird.

Nach gut zwei Tagen war das ganze Schauspiel auch wieder vorbei und der Bussard wurde seitdem nicht mehr gesehen. Hoffentlich gibt es 2019 wieder eine Chance.


Zu den Kranichen an den Bodden bei Zingst

Vom 21. bis 31. Oktober stand eine Fotoreise in den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und zum Urwald Sababurg an. Meine Ferienwohnung für die Woche bei den Kranichen am Bodden war in Klausdorf gelegen. Von dort aus waren es nur wenige Kilometer zum Kranich-Info-Zentrum in Groß Mohrdorf sowie zur Ablenkfütterung bei Günz. Der Verein Kranichschutz Deutschland e.V. ist schon seit Jahren sehr bemüht, den Schutz der Kraniche in diesem Gebiet voranzubringen und die Faszination dieser einzigartigen Vögel an interessierte Besucher mit viel Begeisterung weiterzugeben. Dies fällt besonders durch die sehr vielen Informationsmöglichkeiten im Infozentrum sowie in den verschiedenen Aussichtsplattformen auf. Für den Anfang besuchte ich das Info-Zentrum in Groß Mohrdorf sowie das neue KRANORAMA in Günz. Dort erhoffte ich mir aktuelle Informationen zu den Kranichen in der Region, die ich auch von den freundlichen Mitarbeitern bekam. Zu meinem Glück hielten sich aktuell gut 25.000 Kraniche in der Boddenregion auf. Was mich aber die Woche über sehr negativ beeinflusst hat, war die Nachricht, dass der Hauptsponsor Lufthanse seine Unterstützung für den Kranichschutz komplett und plötzlich eingestellt hat. Ich finde das ungeheuerlich, wie ein solch großer Konzern, der seit Jahrzehnten mit dem Kranich als Wappenvogel wirbt, einfach seine Unterstützung einstellt. Die Summen, um die es geht, spielen für die Lufthanse sicher keine Rolle. Dieser Schritt stellt den Verein Kranichschutz Deutschland e.V.  aber vor existenzbedrohende Probleme. Auch jetzt kann ich nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich daran denke. Eigentlich müsste man als Folge daraus für Flüge auf ein anderes Unternehmen setzen. Zum Glück springt der NABU ein und hilft dem Verein zunächst finanziell weiter, bis neue Sponsoren gefunden werden.

Für meinen einwöchigen Aufenthalt hatte ich im Vorfeld für 2 Tage eine der mietbaren Fotohütten an der Ablenkfütterung gebucht. Schon im Vorfeld muss man wissen, worauf man sich dabei einlässt. Bezogen werden muss die Hütte vor Sonnenaufgang und darf auch erst wieder nach Sonnenuntergang verlassen werden. Das bedeutet, dass man gut 12 bis 13 Stunden in der 200x120x140 cm großen Hütte verbringen muss. Wie bei meinem Besuch in 2013 empfand ich auch dieses Mal die Zeit in der Hütte als kurzweilig. Es standen immer Kraniche und andere Vogelarten vor der Hütte. Ein Ziel meinerseits war das Fotografieren von Kopfportraits, da mir diese 2013 nicht gelungen waren. Zu meinem Glück kamen die Kraniche sehr nahe an die Fotohütten heran, sodass sie teilweise unter der Naheinstellgrenze für mein Teleobjektiv waren. Den ersten Hüttentag verbrachte ich in Hütte 4.

Den nächsten Tag verbrachte ich dann etwas müde mit der Kranich-Fotografie aus dem Auto heraus. In der Nähe der Ablenkfütterung in Günz wurde in der Woche zuvor ein großes Maisfeld abgeerntet, wobei immer noch einige Maiskörner auf der Fläche verbleiben. Dies merken auch die Kraniche und so war es ein ständiges Kommen und Gehen von Kranichen, aber auch von Wildgänsen (Graugans, Blässgans und Saatgans). Das Auto fungiert dabei stets als Tarnversteck und solange man nicht aussteigt, was leider immer noch einige Menschen machen, ist die Fluchtdistanz der Kraniche relativ gering.

Wenn man schon einmal in der Nähe ist, lohnt sich immer auch ein Ausflug zu den Kreidefelsen nach Rügen zum Nationalpark Jasmund. Leider spielte das Wetter nicht wirklich mit, aber für einige Aufnahmen hat es dann doch gereicht.

Am vorletzten Tag stand dann noch der zweite Hütten-Tag an. Dieses Mal entschied ich mich gegen die geplante Hütte 3 und wählte die Hütte 2 aus. Diese hat eine andere Ausrichtung und hat den Vorteil, dass im Hintergrund das Schilf näher stand. Außerdem wollte ich andere Fotos machen als beim Tag in Hütte 4. Von der Luftlinie her sind beide Hütten ca. 300 Meter entfernt. Zu meiner Überraschung sollte ich an diesem Tag neben den Kranichen eine Vielzahl von Wildgänsen vor meiner Fotohütte sehen. Auch einige balzende Kraniche konnte ich im Portrait fotografieren.

Der letzte Tag am Bodden sollte eigentlich ein ruhiger Ausklang werden. Dazu entschied ich mich, zunächst noch ein paar Fotos aus dem KRANORAMA zu machen. Das Licht ist dort für Fotografen immer etwas schwierig, da man zumeist Gegenlicht hat. An diesem Tag flog dort 5 Mal der Seeadler vorbei, wodurch die vielen tausend Wildgänse immer wieder panikartig aufflogen. Das ermöglichte mir ein paar spektakuläre Flugfotos. Auch einige Kraniche konnte ich noch fotografieren. Am Abend ging es dann zum Einflug der Kraniche nach Kinnbackenhagen. Diese Stelle ist nicht bei vielen Fotografen bekannt, eignet sich aber perfekt, um den Einflug der Kraniche zu fotografieren. Dabei gelangen bei fast dunklem Himmel noch einige Kranich-Fotos mit dem Mond im Hintergrund.



Der Urwald Sababurg

Mit dem Kranichen im Abendlicht endete auch meine Woche im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und so machte ich mich auf die Heimreise. Doch wollte ich die lange Strecke nicht durchfahren und daher plante ich noch drei Tage im Urwald Sababurg ein. Vom 28. bis zum 31 Oktober 2017 wollte ich mich den alten Baumriesen beschäftigen. Der in der Nähe von Kassel gelegene Urwald beheimatet bis zu 600 Jahre alte Buchen und Eichen, die beeindruckende Baumgestalten abgeben.


Eine Fotoreise zum Großglockner

Vom 19. bis zum 30. Juli stand eine lang erwartete Fototour nach Österreich an. Das erste Ziel war dabei Wien für die ersten drei Tage. Mit dem Fotografen Karl Leitner ging es dann zwei Tage zu den Zieseln und Feldhamstern in Wien. Es ist immer wieder erstaunlich, wie nah man an diese Tierarten herankommen kann. Anderenorts bräuchte man ein Fernglas. In Wien haben sich diese beiden Arten noch kleine Refugien erhalten, auf denen man sie noch beobachten kann. Aber auch, wenn wir sie hier noch gut antreffen konnten, stellen neue Bauvorhaben und Ausweisungen von Wohngebieten die bedrohten Arten vor große Probleme.

Nach dem Zwischenstopp in Wien ging es dann für acht Tage Richtung Großglockner nach Westen. Über die mautpflichtige Hochalpenstraße ging es zum Quartier oberhalb von Heiligenblut.

Die ersten Touren führten zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe und den dort ansässigen Murmeltieren. Während viele Tiere auch noch eine naturgegebene Scheue zeigten, waren andere an die vielen Touristen gewöhnt und bettelten sogar nach Futter. Hier bekamen wir fast alle Aktionen aus dem Verhaltensrepertoire der Murmeltiere zu Gesicht. Auch hatten sie schon ihre inzwischen selbstständigen Jungtiere, die mit spielerischen Schaukämpfen auf sich aufmerksam machten. Auch das Sozialleben im Familienverband ließ sich sehr gut beobachten und fotografisch festhalten. Auf den anderen Touren in den Folgetagen waren immer wieder Murmeltiere zu sehen und besonders häufig auch zu hören. Bei Gefahr geben sie einen schrillen Pfiff ab, der alle Tiere aus dem Familienverbund warnt und sogleich dazu führt, dass alle Tiere, bis auf das warnende Murmeltier, in die Erdbaue verschwinden. Die Pfiffe unterscheiden sich in Länge und Häufigkeit, je nachdem ob sich der Feind aus der Luft oder vom Boden nähert.

Ein lohnenswerter, aber mit Fotogepäck anstrengender Wanderweg ist der Gamsgrubenweg, der am Gletscherrestaurant Freiwandeck beginnt. Auf dem knapp drei Stunden dauernden Aufstieg kann man auf Steinböcke stoßen. Aber auch der Ausblick auf die Pasterze sowie den Großglockner entschädigen für die Mühen. Am Ende des Weges, besonders auf den Fels- und Schuttfeldern sollten Botaniker einen genauen Blick wagen. Wir konnten hier Edelweiß sowie einige Enzianarten wie Zwergenzian, Bayrischen Enzian sowie den Niederliegenden Enzian fotografisch festhalten.

Überall zu finden sind kleinere Wasserfälle, Wildbäche und kleinere Seen, die besonders für die Landschaftsfotografie viele Möglichkeiten bieten. Mein Hauptaugenmerk an diesen eher nassen Biotopen galt dem Alpensalamander, den ich auch nach kurzer Zeit finden konnte. In diesen Höhenlagen löst er den Feuersalamander ab, den nur bis in Höhenbereich von 1000 Metern vorkommt. Der Alpensalamander ist pechschwarz gefärbt und kommt nur bei feuchtem und regnerischen Wetter aus seinem Versteck. bei trockener Witterung kann es vorkommen, dass man ihn wochenlang nicht sieht. Als Anpassung an seinen Lebensraum legt er nicht wie andere Amphibienarten Eier ab, sondern gebärt nur zwei völlig fertig entwickelte Jungtiere. Es ist immer wieder ein Erlebnis, diese faszinierenden Tiere zu sehen.

An der Römer Hütte kam es dann noch zu einem Zwischenstopp, um die großen Wollgrasgebiete zu fotografieren, Durch Zufall konnte ich dann zwei Hochalpenapollofalter entdecken, die gerade frisch geschlüpft waren. Das gab uns die Möglichkeit, diese auch in allen Facetten zu fotografieren. Manchmal benötigt man einfach ein wenig Glück...

Die letzten Fotoausflüge führten in die Schotterflächen oberhalb des Hochtors auf knapp 2500 Meter Höhe. Hier galt das Hauptaugenmerk den Alpenblumen. Zwischen den Steinabbrüchen und Schuttflächen wuchs eine Vielzahl von Arten. So konnten wir beispielsweise verschiedene Arten von Steinbrechgewächsen, Gemswurz, Alpenleinkraut, Kriechnelkenwurz, Alpenhelm, Bayrischen Enzian, Berg-Hauswurz, Sonnenröschen, Vergissmeinnicht sowie die Grüne Hohlzunge fotografieren. Gerade die Alpenblumen üben immer eine besondere Faszination aus.

Es war eine sehr lohnenswerte Fototour mit vielen schönen und beeindruckenden Erlebnissen und wird sicher nicht die letzte in dieses Gebiet gewesen sein... 


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